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Wir werden anwesend sein bei dem Holy Grail Guitar Show (BERLIN) mit einem Vortrag
und einem Stand mit Projekt-Gitarren > http://holygrailguitarshow.com/


Das  Leonardo Gitarren-Forschungsprojekt
Bei der Mehrheit der besten akustischen und klassischen Gitarren, die heute gespielt werden, finden exotische Tropenhölzer bei Boden, Zargen, Hals, Steg und Griffbrett Verwendung. Solche Hölzer sind sehr begehrt sowohl wegen  ihres Aussehens als auch ihrer Klangeigenschaften. Die steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt hat aber zur Zerstörung der Regenwälder, in denen diese Hölzer heimisch sind, beigetragen. Dies hat schwerwiegende Folgen für das Klima, für Ökosysteme und für indigene  Völker.

Gitarrenhersteller und -bauer sind sich darüber einig, dass die Wälder dringend geschützt werden müssen, und verschiedene Initiativen sind schon ergriffen worden. Bis jetzt aber lag der Schwerpunkt der Umweltschutzmaßnahmen der führenden Hersteller darauf, die Nachhaltigkeit der heute noch verwendeten Hölzer zu fördern, um ein künftiges Angebot dieser Holzarten zu sichern. Es ist sehr wenig unternommen worden, um sich von der Verwendung gängiger Klanghölzer zu entfernen. Tropische Holzarten wie Palisander, Mahagoni und Ebenholz bleiben nach wie vor die Stoffe, aus denen  akustische Edelgitarren gebaut werden. Wieso eigentlich? Weil alternative Holzarten von den Traditionalisten schlicht abgelehnt werden: in den Köpfen der Musiker ist Klangqualität unmittelbar mit Tropenholz verbunden. Und genau da setzt das Leonardo Guitar Research Project (LGRP) an.

Das LGRP ist eingemeinnütziges Projekt der  Zusammenarbeit zwischen 3 Gitarrenbau-Schulen (Cmb/CVO, Belgien; Ikata, Finnland; und Newark College, Großbritannien) und 4 unabhängigen Gitarrenbauern (Thomas Holt Andreasen, Spanien; Lorenzo Frignani, Italien; Remi Petiteau, Frankreich; und Chris Larkin Irland), dessen Ziel darin besteht, die Verwendung nachhaltiger Nicht-Tropenhölzern beim Bau von hochwertigen akustischen Gitarren (klassisch und Folk) zu erforschen. Wir streben danach, weltweit die Fachkenntnisse zu vertiefen und sie  mit den Bedürfnissen der Umwelt in Einklang zu bringen. Seit 2012 wird das Projekt über die Europäische Kommission finanziert.

Indem wir zeigen, dass ästhetisch ansprechende Gitarren von höchster Klangqualität aus einheimischen, nicht-tropischen Holzarten gebaut werden können, wollen wir vom  Leonardo-Team bei Musikern, Gitarrenbauern und -liebhabern ein Umdenken bewirken. Sollten sich Gitarrenspieler und -bauer für solche Alternativ-Hölzer als „cool“, hochwertig und umweltfreundlich einsetzen, könnte dies weitreichende Folgen haben. Wenn wir den Ton angeben, werden vielleicht andere Branchen ihre Abhängigkeit von Tropenhölzern  in Frage stellen und nach anderen, lokalen und nachhaltigen  Lösungen suchen. Somit könnte die Verwendung von Tropenholz von der Wirtschaft insgesamt überdacht werden.

Die Tests
Die Gitarren wurden sehr gründlich geprüft. Die Ziele der Tests waren: 
1) Zu bestimmen, ob Unterschiede in der Klangqualität zwischen Gitarren aus Nicht-Tropenhölzern und und Gitarren
    aus Tropenhölzern festgestellt werden konnten.
2) Zu verstehen, inwiefern Vorurteile und ästhetische Überlegungen die Klangpräferenz beeinflussen.

Verschiedene Testmethoden wurden eingesetzt, um die Gitarren zu beurteilen. Bei den Tests wurden  die Gitarren sowohl von professionellen Musikern als auch vom Publikum bewertet. Darüber hinaus wurden die Gitarren unterschiedlichen physikalischen Tests unterzogen.

Die durch die Tests entstandene Datenmenge ist enorm. Die Musiker- und Zuschauertests haben allein über 4000 einzelne Datenvergleiche erzeugt. Die Gesamtergebnisse finden Sie unter  www.leonardo-guitar-research.com.

Wir können nun folgendes festhalten:
a) Blindtests bewiesen eindeutig, dass es keine merklichen Unterschiede  in der Klangqualität  zwischen den tropischen
    und nicht-tropischen Gitarren gibt.(50:50 Präferenz bei allen Blindtests)
b) In den Identifizierten Tests schnitten die nicht-tropischen Gitarren wesentlich schlechter ab (75:25 Präferenz
    zugunsten der tropischen Gitarren). Dies zeigt, in welchem Mass die Präferenz durch Vorurteile über Klanghölzer
    und Aussehen  beeinflusst werden kann.

Wie geht es weiter?
Im August 2014 haben wir nochmals finanzielle Unterstützung durch das  Erasmus+  Programme der Europäischen Kommission erhalten, um  die Forschung für weitere 3 Jahre zu betreiben. Die Fortsetzung des Projekts hat 4 Ziele:
1)Die Ermittlung der nicht-tropischen Holzarten, die sich am besten  für den Gitarrenbau eignen. Hier werden u.a. die physikalische Eigenschaften und  die Verarbeitungstauglichkeit einer Reihe unterschiedlicher Holzarten geprüft.
2)Das Schaffen eines nachhaltigen Angebots nicht-tropischer Hölzer für den Gitarrenbau.
3)Die Entwicklung eines verbesserten Lehrplans, der durch die vertieften Fachkenntnisse und das gesteigerte Umweltbewusstsein der Studenten den Bedürfnissen der Branche besser dient.
4)Die Entwicklung eines „LGR Network“, das die Ergebnisse des Projekts  verbreitet und interessierten Gitarrenbauer als Forum dient, um ihre Kenntnisse und Erfahrungen mit Nicht-Tropenhölzern mit Kollegen auszutauschen. Um Mitglied zu werden/den Newsletter zu erhalten, besuchen Sie unsere Website: 
 www.leonardo-guitar-research.com.

Angesichts des internationalen Charakters der LGR-Projekt ist dies die einzige Seite 
in Deutsch auf dieser LGRP Webseite. 




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Leonardo Guitar Research,
19 Dec 2014, 01:58